Montag, Dezember 18, 2017

Ich307

Ein Märchen

Es war einmal ein Gedanke, der war sehr haltbar, wurde für unsterblich gehalten und dominierte den Kopf eines Jungen für lange Zeit. Der Junge versuchte alles, um diesen Gedanken loszuwerden, weil es kein guter, sinnvoller Gedanke war, sondern ein destruktiver und ausbremsender. Er schlug seinen Kopf in rasender Besoffenheit an die Wand und der Gedanke blieb. Er las fast alle wichtigen Werke der Weltliteratur, aber der Gedanke blieb. Er aß im Ecstasytaumel Eierlikörsahne aus dem Arschloch einer Prinzessin, aber der Gedanke blieb. Ab und zu weckte ihn der Gedanke nachts auf und versuchte den Jungen zu erniedrigen. Er erkannte, dass es so nicht weitergehen würde. Auf einer Wanderung zu irgendeinem ominösen Typen, der ihm versprochen hatte, er könne jeden, wirklich jeden sich wiederholenden Gedanken töten, traf er einen Fuchs mit Sommersprossen. Sie tranken Schnaps und schliefen im Fuchsbau, wo er mit seiner Familie lebte. Nach dem Trinkabend stellte der Fuchs dem Jungen eine Frage: "Glaubst du echt, dass dir jemand helfen kann, der nicht du bist?" Der Junge überlegte eine Weile. 10 Jahre später meinte er: "Ich glaube nicht." Dann ging er nach Hause, wo der Gedanke schon auf ihn wartete. Der Junge fragte den Gedanken, was er hier wolle, doch der Gedanke schwieg schwierig. "Ich denke dich ungern", sagte der Junge zum Gedanken, worauf der Gedanke sein Gesicht verzog und ganz nachdenklich wurde. "Ich dachte immer, ich tu dir gut, aber es wird wohl besser sein, wenn ich Land gewinne, ohne ein Spekulant zu sein." Der Junge nickte, schlief ein und etwas in ihm starb. Der Gedanke wurde nie wieder gesehen.

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