Montag, November 13, 2017

Ich272

Gestern saufen gewesen. Alles war schmutzig in dem Laden, selbst meine Gedanken. Ich unterhielt mich mit ihr über Literatur und sie sich mit mir über Architektur. Wir beide wünschten uns, dass alles nicht so wäre, wie es gerade ist. Sie riet mir, mich zu beruhigen, ich riet ihr, sich aufzuregen. Wir tranken ein paar Gin Tonic, bis jemand mit Schnaps ankam. Mein Bewusstsein war schon zuhause, als ich rein kam. Es hatte sich schon ins Bett gelegt.

Der Sonntag war wie meine eigene Beerdigung ohne Gäste. Eine Art tiefenverspanntes Nichtereignis. Ich schrieb ein paar Worte und dachte mir, wenn man mich jetzt für einen Autor hält, ist man aber äußerst optimistisch.

Hab an niemanden gedacht, außer an mich.

Dann lange mit K. telefoniert. Er ruft mich immer an, wenn er Geburtstag hat, um mir zu sagen, dass er Geburtstag hat. Manchmal zweimal die Woche. Besprochene Themen: Tod, politische Entwicklung, Punkrock und Keksrezepte feat. Kokosflocken. "Wenn ich ein Bounty esse", meinte K. sanft, "dann verlasse ich das Ruhrgebiet mit geschlossenen Augen und wache auf dem Schoß einer Zahnarzthelferin in Guatemala auf." Ich war erstaunt und aß eine Grapefruit.

Ich dachte dann über diese Frau nach, die schreibt und dabei immer so guckt, als ob sie es ernst meinen würde mit ihren Gefühlen. Ich muss immer lachen, wenn ich sie sehe, weil man ja auch  Dinge ernst meinen und vollkommen versagen kann. J. sagt immer: "Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Absichten." Ich glaube nicht, dass das immer stimmt.

Die To Do List für nach dem Kaffee ist fertig. Mein Gehirn ist so kaputt, dass ich ein- und ausatmen draufgeschrieben habe Klammer auf ganztags Klammer zu. Man weiß ja nie, was passiert.

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