Donnerstag, Mai 25, 2017

Ich99

Über das ich dich mag kann ich sagen es stimmt und dieser Satz ist nur halb so gut, wie er sich anfühlt, nämlich gar nicht. 

Schreib mich gerade glücklich in die Krise und es funktioniert und der Kopf wird frei, aber ich verachte Leute, die aus therapeutischen Zwecken schreiben, um sich von innen zu waschen oder so, ich meine, was soll das?

Gibt es da jemanden?, fragt sie und ich muss sagen: Nein. Weil das Wort jemand dich nicht betrifft. Du bist speziellmand. Wenn überhaupt! 

Das sind einfach viel zu viele Szenen in Echtzeit, aber es regnet Glück, ich muss nur mal das Fenster aufmachen, um zum Klang der Polizeisirenen einen Ausdruckstanz zu machen, für den mich niemand beneiden wird. 




Mittwoch, Mai 24, 2017

Ich98

Mai 2017, kurz vor dem neuen Buch. Der Versuch, alles richtig zu machen, macht mich gerade unruhig. Wenn du in mich reinguckst, habe ich Angst vor dem, was du siehst. Wenn niemand über das Buch redet, werde ich dann noch eins machen über das niemand redet, oder es einfach lassen?

Mir ist mal, vor Jahren in einer Erdgeschoßwohnung, Stuhlgang durch die Decke geregnet. Oben wohnte ein Junkiepaar, das ein paar Wochen in ihrer Dusche lebte und dort alles machte was Menschen halt so machen, unter anderem scheißen und dauerduschen. Es kam zu einer braungefärbten Überschwemmung, die schließlich durch meine Decke drang und rinnsalig in mein Wohnzimmer tröpfelte.

Warum ich das erzähle? Kann man diese beiden Zustände metaphorisch in Einklang bringen?

Ich befürchte ja.

Dienstag, Mai 23, 2017

Ich97

Ein Dilemma: Lachende Babys werden komplizierte Menschen.


Ich96

Cool: Der Personalchef deines neuen Arbeitgebers kommt mit dem Skateboard zum Vorstellungsgespräch.

Uncool: Alles andere.

Montag, Mai 22, 2017

Ich95

Gespräche am Morgen. Ihre dringliche Stimme tapeziert mein Bewusstsein. Sie sagt schlaue Sätze. "Weißt Du, dass die Welt von Dir interessant gefunden werden will, aber Du absolut keine Chance hast, irgendwie gegen die Summe des gesammelten Leidens vorzugehen?" Ich mache eine Pause, sie Wörter. Ich versuche auch schlaue Sätze zu sagen. Etwas bricht auseinander. Die Welt? Wir?

Nein. Es war nur das Geräusch meiner nackten Füße auf Holz. Wäre ich romantisch, ich würde jetzt zum Fenster gehen und bei Kaffee Kippe wichtiges Zeug denken. Stattdessen gehe ich einfach zur Arbeit.

Sonntag, Mai 21, 2017

Ich94

Die Stille nach der Euphorie. Auch ein Geräusch, an das man sich gewöhnen kann.

Flache Atmung. Die weiße Decke weiß Bescheid über dich. Begrenzt deinen Blick. Ganz gut so.

Draußen das gewöhnliche Leben am Tempolimit mit Maximierungsbedarf. Du in der Wohnung und in der Gelassenheit, dass deine Mitwirkung egal ist.

Samstag, Mai 20, 2017

Ich93

Letzte Woche war ich bei LOVE A.

Der Versuch einer Rekonstruktion:

JA

Mit freundlichen Grüßen,
Dirk Bernemann

Freitag, Mai 19, 2017

Ich92

Deine Außergewöhnlichkeit sieht man immer noch in deinem Blick. Ich weiß nicht, ob du selbst weißt, wie du guckst. Und ob du gucken würdest wie du guckst, wenn du wüsstest wie du guckst. Ich denk mal schon.

Wenn ich über dich schreibe, fehlen mir immer ein paar Worte. Wenn ich nicht über dich schreibe, fehlt es mir, über dich zu schreiben.

Donnerstag, Mai 18, 2017

Ich91

Grad wieder so ein Fernsehformat gesehen, in dem ein cooler, adrett angezogener, junger und privilegierter Typ in einer Fußgängerzone Leute vollquatscht, um daraus dann Unterhaltung zu stricken. Die Art seines ironischen Belächelns ist unerträglich. Ausschließlich alte Menschen geben ihm sexistische und homophobe Antworten, die er von seinem Publikum dann auslachen lassen kann. Wow. Starkes Konzept. Das Schlimmste aber ist und mich wundert, dass diese Passage nicht dem Schnitt zum Opfer fiel, dass ein Mann sagt, er käme grad von der Bank, die ihm kein Geld mehr geben wolle, woraufhin der zynische Moderator ein halbeloquentes "Ach, ist das so?" ausstösst.

Kommentare sagen: "Ich liebe die Art, wie er neutral auf Leute zugeht." Ich hingegen kann keine Neutralität erkennen, sehe nur ein Format, dass nicht ganz so Privilegierte der Lächerlichkeit zuführt.

Mittwoch, Mai 17, 2017

Ich90

Als es zaghaft klopfte, wusste ich, dass was komisch war. Einen Spalt gebe ich der Realität und draußen der schöne Nachbar, der mir in wohlgeschliffenen Worten meinen Punkrock leiser predigt. Lehrer sagt er, sei er und er wolle nicht mit winzigen Augen vor die Klasse treten, ob ich nicht bitte...

Ich zerfließe vor Demut. Schuld. Stottere Entschuldigungen. Schäme mich zwei bisschen für mich und mein mangelndes Sozialverhalten. Ich bin der Kacktyp aus dem Erdgeschoss mit dem guten Musikgeschmack, aber ohne Weitblick. Ich weiß nicht was er denkt, als er mich sieht und in welches Raster er mich steckt.

Ich reagiere umgehend mit Mozart über Kopfhörer.

Dienstag, Mai 16, 2017

Ich89

Kürzlich sollte ich eine Platte bewerten.
Einfach sagen, wie ich sie finde.
Eine einfach Äußerung der Meinung.
Frei heraus.

Ich konnte nicht.
Respekt vor Kunst.
Ich hab nur zurück geschrieben:
Wie oft muss ich eine Platte hören, um
wirklich das Recht zu haben
sie zu bewerten?

Eine Antwort blieb aus,
ich rezensiere keine Platten
mehr.

Manchmal habe ich Angst davor,
dass Leute mein Buch nur einmal
lesen und es dann
im Regal egal wird.

Montag, Mai 15, 2017

Ich88

Gerade die Verfilmung eines meiner Lieblingsbücher gesehen. "Einsamkeit und Sex und Mitleid" von Helmut Krausser. Versucht, irgendwie den Spaß zu haben, den ich beim Buch hatte. Misslang. Verblendendes Farbengeballer und irgendwie fehlt Struktur im episodenhaften Irrlichtern der diversen Handlungsstränge. Fast ein gutes Dutzend Protagonisten wabern seelenlos durch den Film und es bleibt am Ende nichts hängen, außer der Tatsache, dass es mega hart nervt, dass am Ende gesungen wird.

Ich verehre Helmut Krausser wirklich sehr für sein Schaffen, gerade aber auch für dieses exzellente Buch, aber der Film hat NICHTS, an dass ich mich 10 Minuten später erinnern möchte, außer einer Szene, in der ein automatischer und sehr gelber Staubsaugerroboter die Haare einer am Boden liegenden Frau einsaugt und diese ungefähr 15 Sekunden mit dem Gerät kämpft, bevor sie es zerstört. Hahaha, usw. 

Der Rest des bezuglosen Casts spielt gelangweilt seine Aufgaben runter und versucht die Verzweiflung und Komik des Buchs zu berühren, was aber leider nie passiert. Zwischendurch flüstern Stimmen uns das Innenleben der schauspielenden Akteure zu und alles faselt in schöner Poesie von der Scheiße des Lebens. Wie originell, aber immerhin ist dabei die Sprache schön. 

Schade. Geiles Buch. Mieser Film. 



Sonntag, Mai 14, 2017

Ich87

Was rede ich hier eigentlich? Mir fallen ein paar Sachen auf, als ich mein Bier absetze. Betrunken bin ich immer schlauer. Ja, ich habe die Fähigkeit mich schlau und erfahren zu trinken und dann sitz ich da und rede schlau und erfahren und denke an dich wie wir mal an diesem Tisch saßen und beide schlau vom Fassbier waren und uns Fußball anschauten. Das ist schon was her, aber dieser Ort ist seitdem verzaubert.

Das ist alles übertrieben weiß ich und auch sieben Bier später ist das nicht übertrieben. Dieser Nacht haftet Pathos an. Jede Geste ist übertrieben. In der Bar setzen sich Turbojugendtypen an unseren Tisch und reden laut vom Ficken. Ich rede leise von Sehnsucht und bin mir klar darüber , dass zwischen mir und der Welt große Abstände passiert sind. Die sind jetzt da und im Bierfluss kann ich zumindest mal kurz rüberschwimmen.

Ich rede weiter und nichts von dem ist wichtig außer der Zauber. Der Tisch klebt. Ich auch.

Samstag, Mai 13, 2017

Ich86

Der Frau, die aussieht wie ein müder Bernhardiner, läuft etwas aus dem Auge. S2 am Samstag Nachmittag und alle gucken ihre Müdigkeit an oder starren auf den Fußboden. Sie selbst rüttelt hilflos und arhythmisch an einen Kinderwagen, in dem schreiendes Fleisch lagert.

Dieses öffentliche Weinen stört viele. Aber niemand beseitigt die Gründe, weil niemand die Gründe kennt. Was okay ist. Zeig zuhause Gefühle, nicht vor dem Kind scheitern, seh nicht aus wie ein Bernhardiner. All das in den Blicken. Auch in meinem.

Wie geht man da vor? Wieviel Hilfeschrei steckt in dieser Scheiße?

Manche Leute haben einfach verloren und ich und die anderen finden das fast normal.

Solidarität ist ein Ding, mit dem man auch vor allem sich selbst schmückt und heute sind wir alle schön genug.

Ich85

Zum Glück habe ich in meinem Leben kein Ritual mehr, das auf die Benutzung von Zigaretten basiert.

Zum Glück ist jemand aufgetaucht, den ich nicht verstehe.

Zum Glück ist mein Leben kein Ritual, wo ich an der immer gleichen Stelle die immer gleiche Sache vollziehe.

Freitag, Mai 12, 2017

Ich84

"Ich hasse konfliktfreie Begegnungen, da laufe ich doch lieber orientierungslosen Plastiktüten hinterher", kritisiertest du einst meine Harmoniesucht. Wir tranken qualitativ höchstwertigen Kaffee und lasen uns ab und zu erhaltende SMS vor, um deren literarischen Gehalt zu vermaledeien und blinzelten in die kryptischen Dunkelheiten verschiedenster schlecht besuchter Etablissements. "Guck dich mal an", forderdest du. Ich betrachtete mich und sah, dass ich glücklich war und es keinen Grund gab, mich zu bewegen. In keine mir bekannte Richtung. "Wir dürfen keine feigen Bauern werden, die Angst vor großen Kartoffeln haben", brüllte deine Stimme jetzt. Was du wolltest, war mir nicht ganz klar.
"Es ist aber doch alles ok", entgegnete ich, wohlwissend, dass es sich dabei um eine Lüge handelte. Blicke auf das Weltgeschehen, Blicke aus dem Fenster. Blicke in meine Krankenakte. Blicke in meinen Bauch. "Alles passiert sowieso", beschwichtigte ich, "lass uns einfach weiter glücklich sein." Dein Blick wurde erst ernst, dann brutal, schließlich provokant. "Es gibt Menschen, die kaufen sich Uhren, die ihre Schritte zählen. Mein bestes Selbstoptimierungsgerät ist mein Bücherregal. Du weißt, ich finde Deine Literatur ehrlicher als jeden Weihnachtsmarkt, auch den wo behinderte Kinder was aus Müll basteln. Und deine Romanfiguren sind dünne Regalbretter, auf die du mit Absicht schwere Ereignisse stellst, nur um das Brechen von Holz zu genießen. Ebenso ist dir Literaturkritik egal, die zusammengefasst folgendes über dich zu berichten weiß: "Verehrtester, Sie schreiben wie ein Klistier, man merkt, es geht wirklich tief, aber am Ende kommt nur Scheiße dabei heraus."
Kurze Pause, dann redetest du weiter: "Ich glaube, es gibt kaum etwas Traurigeres, als Menschen, die auf Selfies laut lachen. Ich habe vorhin mit dem kleinen Prinzen telefoniert, der gerade in einem Rehabilitationszentrum für unzeitgemäße Literaturfiguren verweilt und er versicherte mir glaubhaft: Man sieht auch mit den Augen schlecht, das Herzliche ist im Wesentlichen unbekannt. Deine Weltzusammenfassungen machten mich ängstlich.
Ich wollte mich dazu nicht äußern, war weiterhin pseudoglücklich und eröffnete als gesprächsbegleitendes Getränk sieben Flaschen Weißwein. Ich glaubte immer noch daran, dass die ideale Familienkonstellation Mensch, Bücherregal und Stille ist. Ich war ja vorwiegend Autor geworden, um mich vor abhängiger Lohnarbeit zu drücken. Die Arbeit mit den Worten und die antrainierten schlauen Blicke störten ein bisschen, aber ich hatte mich dahingehend selbst optimiert. Desweiteren war ich überzeugt davon, dass mir keine kultiviertere Art einfallen würde, mein Leben zu ruinieren, als dieses Buch zu schreiben, als überhaupt zu schreiben. Dann fragte ich ihn, was ich denn tun solle, woraufhin er mir wortkarg offenbarte: "Schreib ein Buch."

In meiner ganzen übrig gebliebenen Freundlichkeit überantworte ich Ihnen dies ...  

Donnerstag, Mai 11, 2017

Ich83

Streich alle Vorwörter und komm direkt zum Punkt. Triff schnelle Entscheidungen und trau dir selbst. Und bitte, bitte, bitte, versuch nie zu klingen wie diese drei Prototypen schriftstellerischer Arbeit, die immer alles versauen.

1. Besoffener Mann, der seine vergorene Sprache insgeheim für Weisheit hält

2. Person, die sich nicht zu schade ist, kleine popkulturelle Maßnahmen zu kritisieren, um dann in eine sprachliche Popcornhaftigkeit abzugleiten, obwohl es andererseits große Gedanken zu besprechen gäbe

3. Du selbst beim letzten Satz

Dies sei Hinweis. Einfach so.

Writermachen.

Mittwoch, Mai 10, 2017

Ich82

Das eigene Gesicht beim Zähneputzen kurz gehasst. Wer kennt das nicht? Dann versöhnlich in den Spiegel gelächelt. Sich mit sich versöhnen. Kurz mit sich über Restzeit reden. Sich auf Frühstück einigen.

Selbstgespräche sind Trost. Ich überzeuge mich mittels meiner Rhetorik zu einem anderen Gesichtsausdruck. Der ist ganz gut und passt in diesen Tag. Unauffällig. Leicht grinsend. Zugewandt freundlich. So kann man zum Geldautomaten laufen.

Dienstag, Mai 09, 2017

Ich81

Heute Auszüge eines Protokolls eines Selbstgespräches kurz nach dem Aufwachen um ca 8 Uhr 33:

Guck mal, mir gehts doch gerade echt gut. Ja? Ja. Ja? Ja. Stimmt und ich könnte jetzt mal die Sachen auf dem Schreibtisch machen, die da stehen. Rechnungen zahlen und Pizzateller abwaschen und die Bücher sortieren und an diesem Ding arbeiten, was mich eventuell nach vorne bringt.

Was aber will ich vorne? Vorne ist wohl das oben der waagerecht denkenden Menschen. Ich kenne meine Position nicht. Nicht in diesem Kulturbetrieb. Denn da gibt es welche, die behaupten sie wären vorne und oben und alle anderen behaupten das dann auch und plötzlich ist das so und man wird konfrontiert mit einer Gesamtstimme aus Behauptungen. Und oft fehlen mir die Beweise.

Stimmt, was soll ich mit der Behauptung, hab keinen Plan von Leitung, was mich eventuell unsexy macht, den jeder weiß ja irgendwie, wohin. Manchmal nicht zu wissen wohin, gerade morgens, ist glaube ich ein problematisches Ding. Faul bin ich ja nicht. Nur Antrieb ist manchmal ... oh 9 Uhr 27. Kaffee. Emails. Radio.

Eine Frau redet. Ihr Stimme klingt, als hätte sie einen Schluck Ananassaft in ihrer Kehle. Manchmal assoziere ich mit Stimmen auch Gerüche.

Der Geruch des Kaffees riecht nach Leben. Ich betrachte Bodenflusen auf Bodenfliesen. Wo ist der Staubsauger. Diese beschissenen Details halten mich auf. Und das ist auch gut so. Und wichtig bei dem ganzen Gelaber ist: Vergiss Dir leid zu tun.

Montag, Mai 08, 2017

Ich80

Ich verrate dir ein Geheimnis und du steckst es in deine Handtasche und fährst weiter. Ich weiß nicht, ob es dem Geheimnis bei dir gut geht. Es ist ja jetzt keins mehr. Nachdenklich schaust du in den Rückspiegel deines Autos. Du fährst 4,3 km geradeaus. Biegst links ab. Sagst was zur Frankreichwahl. Ich nicht.

Wir passieren eine Baustelle. Kräne. Wir stehen an einer Ampel und ich glaube, ich hätte gerne mein Geheimnis zurück. Dein Blick egalt und bleibt an nichts mehr hängen.

87 Sekunden Schweigen, dann sagst du, dass die Demokratie an Demokraten verrecken wird. Wie man das aufhält, weißt du auch nicht. Wir ordnen uns in den zähen Verkehr ein und vergessen uns.

Sonntag, Mai 07, 2017

Ich79

Selbstbetrachtung: alles außer Elendsgestalt. Zwar eher konkurs- als konkurrenzfähig, dennoch hungrig. Ein paar Dinge verstanden. Weitere Dinge nicht.

Fremdbetrachtung: Sie liegt da und ich weiß ein bisschen von ihrer Geschichte. Nicht zu viel. Sie ist leise und klug.

Weltbetrachtung: Was soll das jetzt?

Samstag, Mai 06, 2017

Ich78

Dübendorf, Nähe Zürich. Furiose Lesung ohne Auffälligkeiten. Alles war irgendwie nett, ohne klebrig zu sein. Sonderbar eigentlich. Auffällig glatt lief alles. Lächeln. Applaus. Angedeutete Begeisterung.

Zwischendurch: unnachkochbares  Risotto. Grillgemüse. Brutaler veganer Parmesan. Danach was mit Himbeeren. So schön, dass ich es kaum ertrug.

Es gibt so Orte, da fährst du hin und keiner kennt dich. Dann machst du was und Leute applaudieren aus Reflex. Kultur. Ich finde kein Schlusswort. Die Menschen haben Fragen. Ich ein paar Antworten. Als ob das alles echt wäre.

Freitag, Mai 05, 2017

Ich77

Erster Tag Lesetour. Freiburg. Slow Club. Ginger Ingrid kennengelernt. Romanfiguren werden Realität. Anschließend Vodka und Weinschorle. Heute Schmerz und Sonne. Bin dankbar. Für die Leute, die zum Zuhören kommen. Die still sind und Literatur wichtig machen.

Donnerstag, Mai 04, 2017

Ich76

Es gibt 5 Dinge, die mich mit sofortiger Wirkung an jemanden binden.

1. Das Zubereiten klassischer Pfannkuchen

2. Das intensive Erzählen einer erfundenen Geschichte

3. Das detaillierte Zubereiten eines Eisbechers mit Nüssen und Obst

4. Das Zeigen eines abstrakten Lieblingsortes, der irgendwie am Wasser gebaut wurde und etwas schimmelig riecht, aber durchaus als Versteck vor der Welt geeignet ist

5. Arroganz im Musikgeschmack

Ich75

Mach dich zum Idioten, mindestens einmal am Tag. Heute an der Bushaltestelle zu Musik in meinem Kopf getanzt. Sogar Moonwalk, Alter, Moonwalk. Dann erfahren, durch dummes Herumscrollen, dass jemand Besonderes tot ist. Dann geweint aber nur innen. Ich hatte zu tun, konnte nicht einfach die Experience so auf die Straße klatschen lassen. Alle sehen einen scheitern. Grad noch Moonwalk, jetzt schon Heulkrampf. Deswegen besser leise denken.

Ich halte mich an der Bushaltestelle fest. Werde dich nie wiedersehen. Alles viel. Zu viel. Arbeite 7 Stunden. Grauer Himmel. Sitze in der Bahn. Nehme mir zuhause ein paar Stunden Zeit. Jage deine Bilder durch meinen Kopf. Habe keine Ahnung. Scheitere beim Einschlafen. Scheitere morgen beim Ausschlafen.

Oft war nicht Zeit für was ich noch gerne mitgeteilt hätte. Starre durch die Decke in die erweiterte Schwärze. Wie. Kaputt. Alles geht.

Machs gut.

Mittwoch, Mai 03, 2017

Ich74

Wo guckst du eigentlich hin, wenn du wegschaust? Wie ist es da so? Du kannst da leider nicht mit. Du musst hier bleiben. Realität und Rasen und dann wird es Frühling und Dinge passieren ohne dein Zutun, die mit deinem Zutun genauso passiert wären.

Pisse singen: " ... heute sind die Äpfel noch kandiert - morgen bist du sexuell frustriert." Und zwischen dem heute und morgen liegen immer ein paar Möglichkeiten rum, über die du ab und an stolperst. Wenn du dann am Boden liegst und dich fragst ob deine Hose kaputt ist oder schlicht einen Used-Look hat, dann weißt du auch nicht viel mehr als zuvor.

Wenn du Erkenntnisse gewinnen willst, lass dein Leben: zu ! (nicht im Sinne von geschlossen)

Ich73

Manchmal merke ich beim Tanzen, dass mich die Musik stört. Das Gefühl, ein leiser Monolog in einer Masse zu sein. Meine Finger bewegen sich, also würden sie flüstern. Meine Beine in einer Schlangengrube. Vorwärts, rückwärts, eigentlich müsste ich mich fallen lassen und liegen bleiben. Ganz unauffällig. Der unauffällig Fallende.

Im Radio sagt die Frau: "Es ist ja fast ein Trend: Intellektuelle auf dem Dorf." Ich beschließe, dumm zu werden und zu bleiben, um hier bleiben zu dürfen. Und tanze leise weiter. Unauffällig. Kompatibel.

Dienstag, Mai 02, 2017

Ich72

Nicht viel mehr gemacht
als den Müll rausgebracht
und ein bisschen gelacht
und dann wars auch schon Nacht

Nicht viel erzählt
nur ein Apfel geschält
und mit Blick auf die Welt
mich zwei bisschen gequält

Gar nichts erreicht
außer Zeit die verstreicht
und das große VIELLEICHT
hängt über allem

Montag, Mai 01, 2017

Ich71

Der philosophische Matsch zwischen meinen Ohren macht die Welt auch nicht plausibel. 13 Weißweine später weiß ich immer noch nicht mehr. Aber über alles legt sich eine halbschlaue Gelassenheit. Nichts hat wirklich Macht, wenn du es nicht mit Macht ausstattest.

Sonntag, April 30, 2017

Ich70

Nie wieder.
Ausschließlichkeit.
Hör dir alles an.
Zwischen deinen Ohren ein Schwamm.
Filtersystem.
Use.

Ich69

Publikum auf Punkkonzerten. Verschränkte Arme im Halbkreis. Die schwitzende Band in mühevoller Akkordarbeit. Irgendwie eine Geringschätzigkeit. 2 Bands für 5 Euro. Stehen und starren. Der milde Applaus ist keine Anerkennung, sondern eher eine Beleidigung. Und wie aus einer anderen Welt, die aber ausschließlich die eine Welt ist, kommt ein Typ auf die Bühne, anschließend, das Konzert unlängst abgeklungen und sagt, er hätte irgendwo an der Bar sein Handy und seine Autoschlüssel verloren. IPhone und Audi. Niemand hilft ihm suchen.

Emotionen waren die ganze Zeit sichtbar. Die Band, mit der Mühe, einstudierte Bewegungen zu präsentieren. Nicht ins Uncoole abgleiten. Schreien als Stilmittel von Gleichmut. Im Publikum, bloß nicht zu viel bewegen, man könnte sich zu weit aus der Rolle des erfahrenen Wissenden entfernen. Jener, den nichts mehr was zu bewegen imstande. Und die Angst von jemandem, ohne Autoschlüssel und Handy nach Hause zu müssen.

Ich stehe daneben. Jemand hat meine Bierflasche eingecremt, sodass sie mir aus den Handflächen rutscht und geräuschvoll am Boden zersplittert.

Samstag, April 29, 2017

Ich68

Die Lage ist schräg. Es brennt überall. Und Typen wie ich schreiben Bücher, nicht aus dem Grund Euch verstehen zu machen was ich selbst nicht verstehe, sondern um mir selbst verstehen zu helfen. Ich glaube, die Schwierigkeiten kommen vorbei und bleiben und jeder gibt den Schwierigkeiten ein anderes Gesicht. Irgendwo ist immer eine Grenze, die mit Absicht nicht überschritten wird. Ich benutze Literatur als Affektanalyse.

Überraschungsdefekt: plötzlich verstehen, dass das Mitkommen doch schwierig ist. Dinge infrage stellen, die immer klar waren. Sich dadurch theatralisch verlangsamen. Trotzdem verlangen gehört zu werden.

Ich67

Handy kaputt.
Funktionslosigkeit.
Ein digitales Tagebuch
löst sich auf.
Musst
nur
aufpassen, dich nicht auch aufzulösen.

Bernemann, voll der lockere Typ, erzählt so aus seinem Privatleben. Seine notwendigen Sorgen. Seine Therapiepläne. Sein geplantes Theaterstück. Seine Offenheit bei gleichzeitiger Verschlossenheit. Seine Syndrome und Symptome. Und jetzt ist auch noch sein Handy kaputt.

Irgendwas ist immer.
Immer ist viel zu lange.
Lange nicht mehr gesehen.
Gesehen werden ist wichtig.
Wichtig ist schwer.
Ein Medizinball auf meiner Brust
während ich dich langsam
vergesse.

Freitag, April 28, 2017

Ich66

Erfasse deinen Zählerstand.
Zähle deine Schritte.
Sei erreichbar, sei vergleichbar.

Idealisiere deinen Sollzustand.
Iss niemals eine komplette Tüte Gummibärchen.
Sieben Schnäpse sind vier zu viel.

Vertief dich nicht in die Aussichtslosigkeit.
Kalorien nach Mitternacht machen dich hässlich.
Sieben Stunden Schlaf sind ein Minimum.

Glaube dem Ministerium für Schadensbegrenzung.
Begrenze deinen Schaden.
Überlebe ohne Überlegung.

Deine Contrahaltung ist ein Tshirt, auf dem deine Contrahaltung zusammengefasst als Satz oder Piktogramm erkennbar ist.
Wachse und wasch dich.
Sei nicht unbedingt du und vergesse was davon.

Sei so gut.
Und.
Fick.
Dich.

Ich65

Sich selbst nicht zu mögen ist gut, um beweglich zu bleiben und um Pläne zu machen, Pläne, als welche Version von sich selbst man sich mögen könnte. Man ist wer und will wer sein und analysiert sein "Was bin ich?" und "Was soll ich?"

Ich hab Lust mein Leben mit meinen Problemen weiterzuleben. Alles zu Ende arrangieren. Perfekt wird es nicht mehr. Wenn der Standpunkt sich verändert. Sich engagieren, dass da noch was Gutes kommt. Und plötzlich kommt dann was Gutes.

Und es ist vollkommen in Ordnung, wenn dich die Müdigkeit erschöpft und du mit den Aufgaben erst halb fertig bist. Stehst rum und denkst an den Tag, der nur noch Schema ist im Rückblick. Der vergeht. Alles vergeht. Was gut ist.




Donnerstag, April 27, 2017

Ich64

Ein Bestreben des alternden Mannes: mit welcher Frisur ausser gar keiner sehe ich nicht aus wie ein Clown? Jeder Blick in den Spiegel lässt noch das Kind erkennen, dass man war, jeder weitere Blick auch den Alten, der man wird.

Dein Gesicht und Dein Kopf sind öffentliche Bewertungskriterien. Dann erst was du sagst, viel später erst, wie oder ob du Klugheit einer nachlässigen Stumpfheit vorziehst. Wie selten hört man Leute sagen: "Scheiß Frisur, aber schöne Gefühle und Gedanken hast du da."

Nichts ist egal.

Mittwoch, April 26, 2017

Ich63

Du hast gut Lachen. Du lachst gut. Dein Gelächter ist wunderschön. Schön. Schschschsch. Es gibt Gedanken, die ich nicht denken kann, wenn du lachst. Ich kann manchmal aus der Realität Witze herausschneiden, die habe ich dir fast alle geschenkt, neben meiner Zeit und meiner Zugewandtheit.

Jetzt wird es Frühling und du lachst woanders. Ich habe lange nicht von ganz unten gelacht, also von da, wo der Humor, der Witz des ganzen, die Kontrolle über mich gewinnt und mich, als Typ der ich eigentlich bin, dann wegschmeißt.

Sich wegschmeißen ist nicht gut, auch wenn es um Humor geht. Hahahahaha usw. Ich lache nicht aus, ich lache nicht zuende. Ich habe noch ein paar Witze für dich gesammelt, aber ich glaube, das Lustigste an uns war immer der Aspekt, dass ich über die meisten, die sich lustig finden, nicht lachen kann, ausser mit dir über die. Die meisten die sagen Ich schmeiß mich weg haben das leider nie getan.

Ich62

Drei Sätze Empfindlichkeit.

Erstens: Schmerz. Manchmal ist die Zwischenzeit zwischen zwei Begegnungen das Gefühl, als würde sich etwas von einem ernähren.

Zweitens: Willkür. Versucht man das Regelwerk der Unauffälligkeit einzuhalten und stolpert trotzdem immer wieder in Peinlichkeit, sollte man vielleicht weniger Unauffälligkeit anstreben.

Drittens: Liebe. Ich bin mir sicher. Herzen sind Steine, die nur zorniger Wind verformen kann.

Keine Ursache.